Wer nach einer Käserei in Oy-Mittelberg sucht, landet fast automatisch bei der Sennerei Lehern. Der kleine Familienbetrieb im Gemeindegebiet von Oy-Mittelberg (rund 900 Meter über dem Meer, südwestlich von Kempten im Ostallgäu) verarbeitet Milch aus der näheren Umgebung zu Bergkäse und einem milden Emmentaler. Ein Klassiker des Hauses ist der herzhafte Schnittlauchkäse. Wer regionalen Käse direkt vor Ort kaufen möchte, ist hier an der richtigen Adresse – Öffnungszeiten und ein möglicher Ab-Hof-Verkauf sollten Sie vor dem Besuch telefonisch erfragen, da kleine Sennereien oft nur an bestimmten Tagen verkaufen.
Rund um Oy-Mittelberg finden Käseliebhaber aber noch mehr: In den Nachbarorten des Ostallgäus reihen sich traditionsreiche Betriebe und moderne Manufakturen aneinander. In diesem Artikel führen wir Sie von Essen und Trinken auf eine Verkostungstour – mit konkreten Adressen, Käsesorten, Reifezeiten und Empfehlungen, welcher Wein wozu passt.
1. Einführung in die Käsekultur des Ostallgäus: Tradition und Handwerk
Das Ostallgäu ist seit Jahrhunderten Käseland. Die Grünlandwirtschaft rund um Kempten, Oy-Mittelberg und Wertach liefert die Rohmilch, aus der bis heute in vielen kleinen Sennereien Bergkäse und Emmentaler entsteht. Der Allgäuer Emmentaler und der Allgäuer Bergkäse tragen sogar den EU-Schutzstatus g.U. (geschützte Ursprungsbezeichnung): Sie dürfen ausschließlich in Teilen des Allgäus und aus silofreier Rohmilch hergestellt werden.
Viele der Käsereien sind Familienbetriebe, die das Handwerk über mehrere Generationen weitergegeben haben. Ein Laib Allgäuer Bergkäse wiegt in der Regel zwischen 15 und 40 Kilogramm, ein Emmentaler-Laib kann 75 bis über 100 Kilogramm erreichen. Für ein Kilogramm Käse werden je nach Sorte rund 10 bis 12 Liter Milch benötigt – das erklärt, warum handwerklich gereifter Bergkäse im Verkauf meist zwischen 25 und 40 Euro pro Kilogramm kostet.
Wenn Sie das Ostallgäu erkunden, sollten Sie sich Zeit nehmen, die Käsekultur der Region kennenzulernen. Am eindrücklichsten gelingt das direkt am Ort der Herstellung – in einer Sennerei, auf einer Alpe oder im angeschlossenen Hofladen.
2. Käsereien in Oy-Mittelberg und der näheren Umgebung
Erste Anlaufstelle in Oy-Mittelberg selbst ist die kleine, feine Sennerei Lehern. Sie produziert in überschaubaren Mengen und legt Wert auf Milch aus der Region. Zum Sortiment gehören ein kräftiger Bergkäse, ein milder Emmentaler und der beliebte Schnittlauchkäse. Weil der Betrieb klein ist, empfiehlt sich vor einem Besuch ein Anruf, um Verkaufszeiten und Verfügbarkeit einzelner Sorten zu klären.
Oy-Mittelberg liegt verkehrsgünstig an der B310 und ist ein guter Ausgangspunkt für eine Tour. In wenigen Fahrminuten erreichen Sie weitere lohnende Adressen im südlichen Ostallgäu. Planen Sie für eine Halbtagestour zwei bis drei Stationen ein – so haben Sie genug Zeit für Verkostung und Gespräch, ohne dass die Käseeindrücke verschwimmen. Bringen Sie eine Kühltasche mit, wenn Sie Rohmilchkäse für die Heimfahrt kaufen möchten.
Ein Ausflugsziel mit Aussicht ist die Käserei Alpe Oberberg bei Rettenberg, die auf rund 1.200 Metern Höhe liegt. Dort verkosten Sie Käse dort, wo er entsteht, und blicken zugleich auf die Allgäuer Alpen. Wenige Kilometer weiter, in Wertach, stellt die Käserei Biedermann unter anderem Allgäuer Limburger her – einen Rotschmierekäse, der für sein kräftiges Aroma bekannt ist. In Pfronten wiederum lohnt die Sennerei Zell mit ihrem mit Kräutern und Blüten verfeinerten “König-Ludwig-Käse”; hier werden auch Führungen und Verkostungen angeboten. Beachten Sie: Almbetriebe wie die Alpe Oberberg sind meist nur in den Sommermonaten (etwa Mitte Mai bis Ende September) geöffnet.
3. Käseverkostung: Eine Einführung in die verschiedenen Käsesorten und ihre Besonderheiten
Bevor es losgeht, hier eine kurze Einführung in die wichtigsten Sorten. Allgäuer Käse mit g.U. wird aus silofreier Rohmilch hergestellt; der Fettgehalt liegt meist bei 45 bis 50 Prozent Fett in der Trockenmasse. Die bekanntesten Sorten sind Allgäuer Emmentaler, Allgäuer Bergkäse und Allgäuer Limburger.
Der Emmentaler ist ein Hartkäse mit den charakteristischen großen Löchern und mild-würzigem Geschmack; er reift in der Regel drei bis vier Monate. Der Bergkäse ist ein würziger Hartkäse, der mindestens vier bis sechs Monate reift – längere Reifung bis zu einem Jahr und mehr macht ihn kräftiger und leicht nussig. Der Limburger ist ein Rotschmierekäse mit intensivem Aroma, der schon nach wenigen Wochen genussreif ist.
Daneben lohnt sich ein Blick auf Spezialitäten wie den Weißlacker (auch “Bierkäse”) oder den fettarmen Allgäuer Sauerkäse. Am meisten lernen Sie bei einer Verkostung vor Ort: Bitten Sie darum, Käse verschiedener Reifegrade nebeneinander zu probieren – so schmecken Sie den Unterschied zwischen jung und alt am deutlichsten heraus.
4. Käse und Wein: Eine Empfehlung, welche Weine am besten zu welchem Käse passen
Die richtige Weinbegleitung hebt den Geschmack, ohne ihn zu überdecken. Als Faustregel gilt: kräftiger Käse verträgt kräftigen Wein, milder Käse mag fruchtige Weißweine. Hier einige konkrete Paarungen:
– Allgäuer Bergkäse: Ein kräftiger Rotwein wie Merlot oder Cabernet Sauvignon passt zum würzigen Käse, ebenso ein vollmundiger Chardonnay.
– Allgäuer Emmentaler: Zur milden, nussigen Note passt ein fruchtiger Weißwein wie Riesling oder Sauvignon Blanc.
– Allgäuer Limburger: Der intensive Rotschmierekäse braucht einen kräftigen Gegenspieler – ein Bordeaux oder Pinot Noir. Regional passt auch ein malziges Bier.
– Allgäuer Sauerkäse: Zum säuerlichen Käse harmoniert ein ebenso frischer, trockener Weißwein wie Grüner Veltliner oder Sauvignon Blanc.
Wichtig ist, dass der Wein den Käse nicht erschlägt. Ideal ist es, wenn sich die Aromen ergänzen und zu einem runden Geschmackserlebnis verschmelzen.
5. Anekdoten und Geschichten: Käsehandwerk, Käsestadt und Käse in der Region
Die Käseproduktion im Ostallgäu reicht weit zurück. Ihren großen Aufschwung nahm sie im 19. Jahrhundert, als der Emmentaler-Gedanke aus der Schweiz ins Allgäu kam und die Region zur Käselandschaft machte. Viele Betriebe fertigen Emmentaler und Bergkäse seit mehreren Generationen und haben ihr Handwerk perfektioniert.
Kempten, das wirtschaftliche Zentrum der Region, gilt als Handelsstadt des Allgäuer Käses. Wer tiefer eintauchen möchte, findet in der Umgebung Museen und Schaukäsereien, in denen die Herstellung anschaulich erklärt wird – von der Milchannahme über die Dicklegung bis zur monatelangen Reifung im Käsekeller. Rund um Oy-Mittelberg laden zahlreiche Hofläden dazu ein, Käse und andere regionale Produkte direkt beim Erzeuger zu kaufen.
Der Reiz einer solchen Tour liegt im direkten Gespräch: In den kleinen Sennereien erklären Ihnen die Käser gerne, warum ihr Bergkäse gerade so schmeckt, wie er schmeckt. So probieren Sie bei einer Verkostungstour durch das Ostallgäu nicht nur köstliche Sorten, sondern erleben auch die Tradition und das Handwerk dahinter hautnah.