Das Ostallgäu zwischen Füssen, Marktoberdorf und Kaufbeuren ist ein wahres Paradies für Feinschmecker und Naturliebhaber. Auf Wiesen, an Waldrändern und entlang der Wanderwege wachsen Wildkräuter, die man mit etwas Wissen selbst sammeln kann. Was gibt es Schöneres, als auf einer Wanderung die Natur zu genießen und nebenbei lokale Spezialitäten zu verkosten? Genau das haben wir von “Essen und Trinken” ausprobiert und teilen unsere Erfahrungen samt konkreter Tipps mit Ihnen.
Wir stellen Ihnen vor, wo Sie welche Kräuter finden, welche Verwechslungen gefährlich sind und welche regionalen Produkte Sie unbedingt probieren sollten. Entdecken Sie mit uns das Ostallgäu auf eine ganz besondere Art und Weise.
1. Was sind Wildkräuter und wie kann man sie verwenden?
Wildkräuter sind Pflanzen, die in der Natur wachsen und nicht gezielt angebaut werden. Sie sind oft besonders vitalstoffreich: Brennnesselblätter enthalten deutlich mehr Vitamin C als Kopfsalat und liefern Eisen. Viele Wildkräuter haben einen bitteren oder kräftigen Geschmack und eignen sich als Gewürz oder Beigabe zu Salaten und Suppen. Die bekanntesten sind Brennnessel, Giersch und Löwenzahn.
Aber auch Bärlauch, Schafgarbe und Vogelmiere sind leckere Zutaten. Giersch erkennen Sie am dreieckigen, kahlen Stiel und den in Dreiergruppen angeordneten Blättern – die Formel “drei mal drei” hilft beim Bestimmen. Bärlauch riecht beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch; genau daran unterscheidet er sich vom giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen. Ernten Sie mit einer sauberen Schere nur so viel, wie Sie am selben Tag verbrauchen, und lassen Sie die Wurzeln stehen.
Für den Eigenbedarf erlaubt § 39 Bundesnaturschutzgesetz die sogenannte Handstrauß-Regel: kleine Mengen zum persönlichen Gebrauch. In Naturschutzgebieten und auf privaten Weiden ist das Sammeln jedoch tabu. Eine Wanderung mit Verkostung heimischer Spezialitäten ist ein besonderes Erlebnis für alle, die das Ostallgäu kulinarisch erkunden möchten.
2. Eine Wanderung durch das Ostallgäu: Entdecken Sie Wildkräuter auf Ihrem Weg
Eine Wanderung durch das Ostallgäu bietet eine atemberaubende Kulisse und die Möglichkeit, wilde Kräuter zu entdecken. Je nach Saison finden Sie unter anderem Bärlauch (März bis Mai), die weißen Blütendolden des Holunders (Juni) oder die Blätter des Giersch (April bis Oktober). Diese lassen sich wunderbar in der Küche nutzen.
Doch Vorsicht ist geboten. Häufige Fehler beim Sammeln sind: Kräuter direkt am Feldrand oder an viel befahrenen Straßen zu pflücken (Belastung durch Spritzmittel und Abgase), essbare und giftige Doppelgänger zu verwechseln und Pflanzen ungewaschen zu essen (Risiko Fuchsbandwurm). Eine geführte Kräuterwanderung mit erfahrener Leitung – im Ostallgäu meist zwei bis drei Stunden lang – nimmt diese Unsicherheit. Solche Touren kosten je nach Anbieter etwa 25 bis 45 Euro pro Person.
Bei der Wanderung können Sie zudem lokale Spezialitäten verkosten. Probieren Sie den Allgäuer Bergkäse g.U., der mindestens vier Monate reift, oder genießen Sie eine deftige Brotzeit mit frischem Bauernbrot und Wurst vom örtlichen Metzger. Eine solche Wanderung ist ein kulinarisches Erlebnis und zugleich eine Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen.
3. Regionale Produkte aus dem Allgäu: Entdecken Sie die Vielfältigkeit der lokalen Spezialitäten
Die Region ist bekannt für aromatische Kräuter und hochwertige Produkte wie Käse, Fleisch und Obst. Beginnen Sie Ihre Tour auf einem der Bauernmärkte – etwa dem Wochenmarkt in Marktoberdorf oder Füssen, die üblicherweise samstagvormittags stattfinden. Die folgende Übersicht hilft bei der Auswahl:
| Produkt | Geschmack | Passt zu |
|---|---|---|
| Allgäuer Bergkäse g.U. | würzig-kräftig, leicht nussig | Brotzeit, Käsespätzle |
| Alpenbutterkäse | mild, cremig-buttrig | Kinder, Frühstück, Brotbelag |
| Allgäuer Emmentaler g.g.A. | mild-süßlich, Lochbildung | Fondue, Aufschnitt |
| Wildkräutersalz | herb-aromatisch | Salate, Suppen, als Mitbringsel |
Wildkräuter wie Bärlauch, Löwenzahn und Brennnessel sind ebenfalls wichtige Zutaten in vielen lokalen Gerichten. Lernen Sie auf Ihrer Wanderung die kulinarischen Besonderheiten kennen – eine Verkostung von heimischen Produkten darf auf keinen Fall fehlen.
4. Kulinarische Verkostungen: Probieren Sie heimische Produkte in authentischer Atmosphäre
Besonders lohnenswert sind Verkostungen in authentischer Atmosphäre, etwa auf einem Bauernhof oder einer Sennalpe. Einige Anbieter kombinieren die Wanderung mit einer Verkostung von selbstgemachtem Käse und frisch gebackenem Brot und geben dabei Einblick in Kultur und Traditionen. Bei einer Kräuterwanderung sammeln Sie unter fachkundiger Anleitung und verarbeiten die Kräuter direkt weiter.
Unsere Empfehlung: Wer die Region zum ersten Mal besucht und unsicher beim Bestimmen ist, sollte eine geführte Kräuterwanderung buchen – hier lernen Sie das Erkennen aus erster Hand. Familien mit kleinen Kindern nehmen besser eine reine Hof- oder Käseverkostung ohne langen Anstieg. Wer sich mit Pflanzen bereits gut auskennt, braucht die Führung dagegen ausdrücklich nicht: Für Sie reicht ein Bestimmungsbuch, ein Korb und eine Karte mit erlaubten Sammelflächen. Verzichten sollten Sie auf Verkostungen bei bekannten Allergien gegen Milch- oder Doldenblütler.
Neben Käse können Sie oft Produkte wie Kräutersalz oder aromatisierte Öle probieren. Die kulinarischen Verkostungen sind ein Geheimtipp für alle Genießer und eine einzigartige Möglichkeit, die Region kennenzulernen.
5. Inspiration für die eigene Küche: Tipps und Rezeptideen für die Verwendung von Wildkräutern und regionalen Produkten
Wer gerne kocht und sich für heimische Produkte interessiert, kommt hier auf seine Kosten. Auf den Wiesen des Allgäus wachsen Kräuter wie Spitzwegerich, Giersch und Schafgarbe, die sich gut in der eigenen Küche verwenden lassen. Auch regionale Produkte wie Käse, Wurst und Brot werden von vielen kleinen Betrieben hergestellt.
Ein häufiges Missverständnis: Wildkräuter müssen nicht roh verwendet werden. Brennnesseln verlieren ihre Brennhaare schon nach kurzem Blanchieren oder Anwelken und schmecken dann spinatähnlich. Bärlauch dagegen sollte man frisch verarbeiten, da er getrocknet fast sein ganzes Aroma verliert – frieren Sie ihn lieber als Pesto ein.
Wie wäre es mit einer Kräuterquiche mit Giersch und Bergkäse oder einem Käsefondue aus Allgäuer Emmentaler und Bergkäse im Verhältnis zwei zu eins? Auch als Geschenk eignen sich Produkte aus der Region hervorragend. Wer einmal die Vielfalt der Allgäuer Küche kennengelernt hat, kehrt garantiert gerne hierher zurück.