Wanderstöcke, sinnvoll oder überflüssig? Die kurze Antwort: Für die meisten Wanderungen sind sie sinnvoll, weil sie messbar entlasten. In Bewegungsstudien reduzieren zwei Stöcke die Druckbelastung auf Kniegelenke und Sprunggelenke beim Bergabgehen deutlich – je nach Untersuchung um rund 15 bis 25 Prozent. Wer regelmäßig lange Touren, Steigungen über etwa 500 Höhenmeter oder schwere Rucksäcke (ab ca. 8 bis 10 Kilogramm) trägt, profitiert am stärksten.
Überflüssig werden Stöcke dagegen auf kurzen, flachen Wegen ohne nennenswerte Höhenunterschiede – etwa auf einem ebenen Rundweg von zwei bis drei Kilometern. Für das wunderschöne Ostallgäu mit seinen Höhenwegen und wechselndem Untergrund lautet unsere Empfehlung deshalb: eher mitnehmen als daheimlassen. Wie Sie das für Ihre eigene Tour entscheiden, klären wir Punkt für Punkt.
1. Vorteile von Wanderstöcken: Stabilität, Unterstützung und Entlastung der Kniegelenke
Der wichtigste Vorteil ist die Entlastung der Gelenke. Beim Abstieg wirkt auf die Knie das Mehrfache des Körpergewichts; zwei Stöcke leiten einen Teil dieser Kraft über die Arme ab. Studien der Sportwissenschaft nennen hier eine Entlastung von etwa 15 bis 25 Prozent pro Schritt – bei einer langen Wanderung mit mehreren tausend Schritten summiert sich das spürbar.
Dazu kommt die Stabilität: Aus zwei Kontaktpunkten am Boden werden vier. Auf Schotter, nassen Wurzeln, bei Bachquerungen oder auf schmalen Graten verringert das die Rutschgefahr. Auch das Gleichgewicht bei steilen Auf- und Abstiegen verbessert sich, weil Sie sich seitlich und nach vorn abstützen können. Achten Sie beim Kauf auf Höhenverstellbarkeit und einen rutschfesten Griff, damit sich die Stöcke exakt an Ihre Körpergröße und das Gelände anpassen lassen.
Ein oft unterschätzter Punkt: Beim gleichmäßigen Gehen mit Stöcken werden zusätzlich Arm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur beansprucht. Das verteilt die Anstrengung auf mehr Muskelgruppen und kann die Beine bei Touren ab etwa drei bis vier Stunden merklich schonen.
2. Nachteile von Wanderstöcken: mehr Gewicht und Handhabung bei steilen Bergab-Passagen
Stöcke bringen zusätzliches Gewicht mit: Ein Alu-Paar wiegt rund 400 bis 600 Gramm, leichte Carbon-Modelle etwa 300 bis 400 Gramm. Wenn Sie die Stöcke unterwegs nicht brauchen und am Rucksack verstauen, tragen Sie dieses Gewicht mit, ohne dass es Sie entlastet. Faltbare oder teleskopierbare Modelle mit einem Packmaß von etwa 35 bis 40 Zentimetern lösen das Problem zumindest teilweise.
In sehr steilem, blockigem Gelände können Stöcke stören: An Stellen, an denen Sie die Hände zum Festhalten brauchen, sind sie im Weg. Hier gehören die Stöcke verstaut, nicht in die Hand. Wer sich außerdem zu sehr auf die Stöcke verlässt, riskiert eine nachlässige Körperhaltung. Setzen Sie die Stöcke deshalb als Unterstützung ein, nicht als dauerhafte Stütze.
Am Ende kommt es auf Ihre Tour an. Auf einer flachen Feierabendrunde sind Stöcke oft verzichtbar, auf einer Bergtour mit langem Abstieg selten. Beide Optionen haben Vor- und Nachteile – die passende Wahl hängt von Strecke, Kondition und Gelenkgesundheit ab.
3. Für welche Art von Wanderung sind Wanderstöcke geeignet?
Konkret lohnen sich Stöcke besonders in diesen Fällen: bei Touren mit mehr als etwa 500 Höhenmetern, bei langen Abstiegen, auf unebenem oder steinigem Untergrund, bei Schnee und Matsch sowie mit schwerem Rucksack ab rund 8 Kilogramm. Auch für Menschen mit Knie- oder Hüftbeschwerden und für Mehrtagestouren sind sie eine echte Erleichterung.
Weniger sinnvoll sind sie auf kurzen, ebenen Spazierwegen unter etwa drei Kilometern, auf asphaltierten Strecken und in sehr steilem Klettergelände, in dem Sie beide Hände frei brauchen. Als grobe Orientierung: Wenn eine Tour im Wanderführer mit „schwarz” oder „schwer” markiert ist oder mehr als drei Stunden dauert, sind Stöcke fast immer die bessere Wahl.
4. Auswahlkriterien für Wanderstöcke: Material, Griff und Zubehör
Beim Kauf solltest du auf Material, Griff und Zubehör achten. Aluminium ist robust und günstig (Paar ab etwa 30 bis 60 Euro), verbiegt aber unter starker Belastung eher, als dass es bricht. Carbon ist leichter und dämpft Vibrationen besser, kostet mit rund 80 bis 150 Euro pro Paar jedoch mehr und kann bei punktueller Belastung splittern.
Der Griff sollte rutschfest sein: Kork nimmt Schweiß auf und liegt bei warmem Wetter angenehm in der Hand, Gummi ist wetterfest, EVA-Schaum leicht und weich. Bei Verschlüssen haben sich Klemmverschlüsse (Speed-Lock) bewährt, weil sie sich auch mit Handschuhen schnell bedienen lassen. Beim Zubehör gilt: Große Teller helfen im Schnee, kleine Teller auf hartem Boden, und Gummipuffer schonen Asphalt und Fels.
Die Länge stellst du individuell ein: Steht der Stock senkrecht am Boden, sollte dein Ellbogen einen 90-Grad-Winkel bilden. Als Richtwert entspricht das etwa deiner Körpergröße mal 0,68. Bergauf verkürzt du die Stöcke um rund 5 bis 10 Zentimeter, bergab verlängerst du sie um denselben Betrag. Wer regelmäßig unterwegs ist, fährt mit hochwertigen Stöcken auf Dauer besser.
5. Alternative zur Verwendung von Wanderstöcken: Technik und Schuhwerk verbessern
Nicht jeder kommt mit Stöcken zurecht. Wenn Sie im Ostallgäu überwiegend flache oder leichte Strecken gehen, können Sie auf Stöcke verzichten und stattdessen an anderen Stellschrauben arbeiten. Gutes Schuhwerk ist die wichtigste: Wanderschuhe mit griffiger Profilsohle und stabiler Dämpfung geben Halt und entlasten die Gelenke ebenfalls.
Auch die Gehtechnik hilft: kleine Schritte beim Abstieg, den Fuß bewusst und mittig aufsetzen, das Tempo an die Atmung anpassen. Ein Rucksack mit Hüftgurt verlagert Gewicht von den Schultern auf die Hüfte und verbessert die Balance. Gezieltes Training der Bein- und Rumpfmuskulatur vor der Saison beugt Erschöpfung und Verletzungen zusätzlich vor.
Informieren Sie sich vor der Tour über Länge, Höhenmeter und Beschaffenheit der Strecke und wählen Sie danach aus. Entscheiden Sie sich für Stöcke, achten Sie auf verstellbare Modelle aus leichtem, robustem Material – so passen Sie sie an Körpergröße und Gelände an und schonen zugleich Ihre Gelenke.